Der Körper, eine Spielfigur?

Von Larena Klöckner

Larena Klöckner setzt sich in „Der Körper, eine Spielfigur?“ kreativ mit dem vermeintlichen „Spiel des Lookismus“, gesellschaftlichem Optimierungszwang und Diskriminierung auseinander. Wie Lookismus mit anderen Diskriminierungsformen interagiert, war Thema eines Workshops im Rahmen des Seminars.

Höher, schneller, weiter, dünner. Was verbessert werden kann, wird verbessert. Stets nach Schema F. Stets nicht hinterfragen. Schlankheit als Ideal hinnehmen, ertragen. Doch was ist, wenn du rausfällst? Raus aus diesem Raster – und Schema F abdankst? Die Gesellschaft hat da gleich mehrere Antworten parat: Dann bist du nicht schön, nicht ästhetisch. Dann bist du nicht produktiv, nicht nützlich, nicht effizient. Dann hast du versagt.

Höher, schneller, weiter, dünner. Die Gesellschaft will sich stets optimieren. Rationalisieren. Sie muss aufgehen, die Kosten-Nutzen-Abwägung. Dein Körper geht nur dich etwas an. Hätte die Gesellschaft das nicht längst als störend empfunden. Viel leichter, deinen Körper in die Öffentlichkeit, in die Allgemeinheit zu zerren. Viel leichter, ihn dann zu bewerten. Ihn abzuwerten. Also versucht dein Körper mitzuspielen. Dabei, sich zu rationalisieren, sich zu optimieren. Dein Körper versucht mitzuspielen, ungefragt. Bei dem Spiel, dessen Regeln von der Gesellschaft bestimmt werden.

Höher, schneller, weiter, dünner. Nun also zu den Regeln. Ziel des Spiels ist ein hohes soziales Kapital. Logisch. Willst du das erreichen – sei schlank. Denn dein Körper ist Teil deines sozialen Kapitals, deine Schönheit ist Teil des Kapitals. Und wo die Gesellschaft die Regeln bestimmt, gibt sie auch den Ton an. Und da lässt sich Schönheit nun mal nicht von dem Gewicht trennen. Da ist schlank schön.

Höher, schneller, weiter, dünner. Sei willensstark. Niemand muss in diesem Spiel schlechte Chancen haben. Nicht in einer sich immer optimierenden Gesellschaft. Da kann jede:r alles erreichen. Und das sollte man auch. Wenn man gute Karten haben will. Etwa im Karriere-Spiel. Im Spiel der Liebe. Oder einfach im Spiel darum, geschätzt zu werden.

Höher, schneller, weiter, dünner. Und ja: sei auch gesund. Dafür stellt die Gesellschaft sogar einen Joker parat. Das Körpergewicht wissenschaftlich so zu normieren, dass klar ist, was gesund ist. Ganz einfach, nur eine Zahl. Bist du im gewünschten Bereich: Glückwunsch. Bist du es nicht: Game over. Nur eine Zahl, ganz einfach. Andere Faktoren sieht die Gesellschaft nicht – jedes Spiel hat seine Fehler.

Höher, schneller, weiter, dünner. Das Ziel des Spiels ist genial. Weil es eben jede:r erreichen kann. Jede:r, der will. Wer nicht will – ja, die Antwort hatten wir schon – ist nicht schön, nicht ästhetisch. Ist nicht produktiv, nicht nützlich, nicht effizient. Dann hast du versagt. Dann musst du auf dem Spielbrett auf das Verlierer:innen-Feld vorrücken – so steht es im Regelwerk geschrieben. Und da stehst du nun. Und siehst dabei nicht gut aus. Dein soziales Kapital sieht gar nicht gut aus.

Höher, schneller, weiter, dünner. Nun, zum Schluss noch der Kritikpunkt an diesem Spiel. Denn auch die Gesellschaft will lernen, ihre Spiele zu verbessern. In diesem kurzen Spiel – es hat hoffentlich gefallen – gibt es eine Schwäche. Ein nicht so ganz ausgereiftes Regelwerk, für das sich die Gesellschaft entschuldigen möchte. Dafür entschuldigen, dass der Eindruck entstanden ist, nur das Aussehen entscheide über den Spielverlauf. Natürlich ist das fehlerhaft. Natürlich spielen auch alle anderen Diskriminierungsformen eine Rolle. Dabei, wann du wo abbiegen musst und wie schnell du auf das Verlierer:innen-Feld rückst. Die Gesellschaft entschuldigt sich. Die nächste Edition wird realistischer.